Arbeiterverräter ist natürlich der falsche Begriff, auch wenn die Rente der klein gebliebenen Leute unsicher ist. Der eine gibt sein Auto ab wie Harald Schmidt, weil er nicht mehr so fahrtüchtig ist, der andere, weil er sich’s mobil nicht mehr leisten kann. Und öffentlich Schwarzfahren? Ich warne! Wer kann sich als Schwarzfahrer schon einen Gutachter leisten, der dem Gericht beweist, dass es ihm beschissen geht?

An den Rändern rappelt’s. Staatsanwaltschaften, die seit Anno Kruck in Sachen CumEx und CumCum ermitteln, sind im Untergrund verschwunden – kein Wort mehr von den 100 Milliarden, die der Allgemeinheit durch hochnoble Betrüger gestohlen wurden. Strafvereitelung im Amt. Kein Hahn kräht danach. Das gilt auch für feinere Kreise, die ihr Geld gleich direkt ins Ausland transferieren und die den Teufel an die Wand malen, wenn’s um Wohnungsbau geht. Marietta Slomka kneift die Augen zusammen, lässt die AfD rechts liegen und knöpft sich dann am liebsten den linken Antisemitismus vor. Tschüss, politisches Bewusstsein.
Deutschland ist nicht Frankreich, sagt Cohn-Bendit: keine Angst, keine Angst, Rosmarie. Hier brennt nix an, wenn man wegsieht. Die halbe Wahrheit versetzt beim Thema Verstaatlichung eine ganze Nation von Hausbesitzern in Panik. Die Reihenhäuser: Stillgestanden! Und der Kommunist grinst frech aus dem verdienten Untergrund. Den großen Wohnungsklau-Konzernen ist es meisterlich gelungen, die Gespenster von vorgestern durch Mund-zu-Mund-Beatmung von Medien, Abgeordneten und Wohnbau-Allianzen wiederzubeleben. Das gemeine Volk schließt jetzt sogar tagsüber die Bude ab: „Schlüssel zweimal rumdrehen, Peter!“, so meine Omi Glimbzsch, wenn man das Häusel verließ.
Damals? Da waren die Genossenschaften noch Genossenschaften und die Genossen auf der richtigen statt auf der Seite der Profite. Damals, da haben die Kommunen noch den Besitzstand der Bürgerinnen bewahrt wie Gräfin Koks ihr Tafelsilber. Also her mit den Fakten zum kommunalen Wohneigentum. Monitor kann’s. Schaut nach Wien, dann geht euch vielleicht ein Licht auf. Von der Zuckersteuer über die Kippe bis zum Stickl Brot für die Omi: Armut wird individualisiert, Reichtum geschützt. Sobald die Frage nach Arm & Reich auf den Tisch kommt, erwachen die alten Gespenster, das Wort Gemeineigentum wird wie das Grundgesetz verraten und verkauft. Institutionen, die wir mal geschaffen haben, um Menschen vor den Risiken des Marktes zu schützen, können von heut‘ auf morgen ihren Zweck verlieren, wenn Rendite-Interessen und politische Machtverhältnisse die Oberhand gewinnen. Das ist der Fall.
